Ein befreundeter Verein hat einen neuen Film auf der Website. Professionell gedreht, Interviews mit dem Team, Untertitel, alles dabei.
Ihr denkt: Das brauchen wir auch.
Stopp.
Was mit Imagefilmen passiert
Ich kenne mindestens fünf Vereine, die in den letzten Jahren einen Imagefilm produziert haben. Kosten: 2.000 bis 5.000 Euro. Oft aus Fördermitteln finanziert.
Was dann passiert:
- Der Film wird auf YouTube hochgeladen
- Er wird auf der Startseite eingebettet
- Nach drei Jahren: unter 500 Views
Keiner dieser Filme hat je mehr erreicht.
Und in der Zwischenzeit? Hat die Geschäftsführung gewechselt. Sind Mitarbeiter gegangen, die groß im Bild waren. Steht der Film trotzdem noch auf der Startseite – weil er ja so teuer war.
Die Frage, die vorher keiner stellt
Wann habt Ihr zuletzt freiwillig einen Imagefilm angeschaut?
Nicht für die Arbeit. Nicht aus Höflichkeit. Einfach so, weil er Euch interessiert hat.
Vermutlich: nie.
Warum sollte das bei Eurem Film anders sein?
Aber wir schauen doch Videos
Ja. Wir schauen Filme. Manchmal sogar Werbung – wenn sie gut ist.
Aber „gut“ heißt: unterhaltsam, überraschend, relevant. Nicht: Mitarbeiter vor Bücherregal, die erklären, was der Verein macht.
| Imagefilm | Gute Werbung |
|---|---|
| Zeigt, wer ihr seid | Zeigt, was der Zuschauer davon hat |
| Interessiert euch | Interessiert das Publikum |
| Einmal produziert, dann vergessen | Strategisch platziert, getestet, angepasst |
Was Imagefilme wirklich sind
Hoffnungsmarketing.
Die Hoffnung: Wenn wir zeigen, wie toll wir sind, kommen die Spenden oder die Mitarbeiter von allein.
Die Realität: Niemand sucht nach Eurem Verein auf YouTube. Und wer auf Eure Website kommt, klickt den Film weg – oder ignoriert ihn.
Was außerdem passiert
Bevor der Film überhaupt online ist:
- Die Datei ist 1,5 GB groß – wie kriegen wir die auf die Website?
- Also YouTube einbetten – aber dann braucht Ihr ein Cookie-Banner
- Der Film braucht Untertitel wegen Barrierefreiheit – die laufen jetzt groß über das Bild
Am Ende habt Ihr einen Film, der technisch funktioniert, rechtlich abgesichert ist – und den trotzdem niemand schaut.
Was Ihr stattdessen tun könntet
Nichts.
Ernsthaft. Kein Imagefilm ist besser als ein schlechter.
Oder:
- Eine klare Startseite, die in 10 Sekunden sagt, was Ihr tut
- Ein Foto, das berührt – statt eines Films, der erklärt
- Gute Texte, die Vertrauen aufbauen
Das kostet weniger. Und funktioniert besser.
Kurz gesagt
Imagefilme sind Geld für das eigene Gefühl – nicht für die Wirkung.
Wenn Euch jemand einen verkaufen will, fragt:
Wann haben wir selbst zuletzt einen Imagefilm bis zum Ende geschaut?
Die Antwort sagt alles.
Zum Weiterlesen
Warum Imagefilme scheitern:
- Sucht auf YouTube nach „Imagefilm Verein“ und sortiert nach Aufrufzahlen. Die meisten haben unter 500 Views – obwohl sie tausende Euro gekostet haben.
Warum ein gutes Foto mehr bewirkt:
- World Press Photo: Ausgezeichnete Fotografie – Was Bilder auslöst, die berühren
- National Geographic: The Power of Photography – Wie ein einziges Bild Geschichten erzählt
- Susan Sontag: Über Fotografie – Der Klassiker zur Wirkung von Bildern
- Charity: Water: Why We Use Photography – Wie eine NGO mit Fotos statt Filmen Millionen sammelt
Und falls Ihr doch einen Film wollt:
Fragt nicht: Wie zeigen wir uns von unserer besten Seite?
Fragt: Was würde jemand Fremdes bis zum Ende schauen?
Wenn Ihr keine Antwort habt – lasst es.
Für 5.000 € Imagefilm-Budget könntet Ihr:
- mehr als 500 professionelle Fotos machen lassen
- mind. 10 gute Texte schreiben lassen
- Die Webseite komplett neu machen
- Einen echten Newsletter aufbauen
Alles davon wirkt länger als ein Film, den niemand schaut.




