das wunder des ignorierten google-eintrags

Oder: Warum wir SocialMedia-Profile pflegen, aber nicht den Ort, an dem Kunden uns tatsächlich suchen

Du hast ein SocialMedia-Profil. Natürlich hast du eins. Mit Profilbild, Headerbild, sorgfältig formulierter Bio. Du postest regelmäßig. Du reagierst auf Kommentare. Du hast dir Gedanken gemacht, ob „Geschäftsführer“ oder „Founder & CEO“ besser klingt.

Und dein Google-Eintrag?

Der zeigt ein Foto von 2019. Oder gar keins. Die Öffnungszeiten stimmen nicht – oder fehlen ganz. Drei Rezensionen warten seit acht Monaten auf eine Antwort. Eine davon ist ein Stern. Ohne Kommentar. Einfach ein Stern, der da steht wie ein stummer Vorwurf.

Aber hey: Dein LinkedIn-Banner ist on point.

der erste kontakt, den niemand gestaltet

Wenn jemand deinen Namen googelt – oder den deines Vereins, deiner Beratung, deines Ladens – was erscheint zuerst?

Nicht deine Website. Nicht dein LinkedIn. Sondern das kleine Kästchen rechts. Der Google-Business-Eintrag. Mit Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Bewertungen, Fotos. Oder eben: mit nichts davon.

46 % aller Google-Suchen haben lokale Absicht. Fast die Hälfte. „Steuerberater in meiner Nähe.“ „Café mit WLAN.“ „Verein für Jugendhilfe Karlsruhe.“

Und was tun diese Menschen? Sie schauen auf den Eintrag. Sie lesen die Bewertungen. Sie klicken auf Fotos – wenn es welche gibt.

Laut BrightLocal (2023): 98 % der Konsumenten lesen Online-Bewertungen für lokale Unternehmen. 87 % nutzen Google, um lokale Unternehmen zu bewerten. Und 88 % würden ein Unternehmen kontaktieren, das auf Bewertungen antwortet – gegenüber 47 % bei denen, die es nicht tun.

Aber klar. Lieber noch ein Insta-Post.

öffnungszeiten: das große rätsel

Nichts sagt „wir nehmen das hier nicht ernst“ so zuverlässig wie falsche Öffnungszeiten.

Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr. Steht da. Der Kunde steht um 14 Uhr vor verschlossener Tür. Mittwoch ist Ruhetag. Wusste er nicht. Konnte er nicht wissen.

Oder, noch besser: gar keine Öffnungszeiten. Das mysteriöse Geschäft. Vielleicht offen, vielleicht nicht. Wer wagt, gewinnt.

Laut einer Studie von Yext (2022): 62 % der Konsumenten vermeiden Unternehmen mit falschen Informationen im Netz. Nicht „sind genervt“. Vermeiden. Aktiv.

Aber die LinkedIn-Bio? Aktuell bis aufs Komma.

rezensionen: das gespräch, das keiner führt

Menschen schreiben Bewertungen. Manche gut, manche schlecht, manche irgendwo dazwischen. Und dann?

Nichts.

Die Bewertung steht da. Allein. Unerwidert. Wie eine Nachricht, die auf „gelesen“ bleibt.

Dabei ist die Antwort auf eine Rezension kein Bonus. Sie ist der eigentliche Inhalt. Die Rezension selbst sagt: „So war meine Erfahrung.“ Die Antwort sagt: „So gehen wir damit um.“

Potenzielle Kunden lesen beides. Sie lesen vor allem, wie du mit Kritik umgehst. Eine sachliche, freundliche Antwort auf eine schlechte Bewertung macht oft mehr Eindruck als zehn Fünf-Sterne-Bewertungen ohne Kommentar.

Laut ReviewTrackers (2022): 53 % der Kunden erwarten eine Antwort innerhalb von sieben Tagen. Nur 36 % der Unternehmen antworten überhaupt.

bilder: die leere galerie

Der Google-Eintrag hat einen Bereich für Fotos. Er ist meistens leer. Oder er zeigt ein unscharfes Handyfoto von der Eröffnung 2017.

Manchmal lädt Google automatisch Bilder hoch – von Nutzern, von Street View. Dann zeigt dein Eintrag das Nachbargebäude. Oder einen LKW, der gerade vorbeifuhr. Oder den Müllcontainer vor deiner Tür.

Du kannst eigene Bilder hochladen. Du kannst steuern, was Menschen sehen, wenn sie dich suchen. Du tust es nicht.

beiträge: die funktion, die niemand kennt

Wusstest du, dass du im Google-Business-Eintrag Beiträge veröffentlichen kannst? Wie bei Social Media. Mit Bild, Text, Link, Call-to-Action.

Diese Beiträge erscheinen direkt im Suchergebnis. Unter deinem Eintrag. Sichtbar für jeden, der dich googelt.

Kaum jemand nutzt das. In Deutschland schon gar nicht.

Laut einer Analyse von Whitespark (2023): Weniger als 17 % der lokalen Unternehmen weltweit nutzen Google Posts regelmäßig. In Deutschland liegt die Schätzung noch darunter – belastbare Zahlen gibt es kaum, weil es schlicht so wenige sind.

Dabei kostet es nichts. Es dauert fünf Minuten. Und es erscheint genau dort, wo Menschen nach dir suchen.

Aber Facebook-Posts? Einmal die Woche.

leistungen: das versteckte menü

Du kannst im Google-Eintrag deine Leistungen eintragen. Mit Beschreibung, mit Preis, mit Kategorien.

Wenn jemand nach „mobiler Pflegedienst“ sucht, könnte dort stehen, was du konkret anbietest. Stattdessen steht da: nichts.

Die Funktion existiert. Sie ist kostenlos. Sie wird nicht genutzt.

die selbstgebaute karte: ein denkmal der verwirrung

Manche Webseiten haben Anfahrtsbeschreibungen. Mit selbst gestalteten Karten. Liebevoll. Detailliert. Komplett nutzlos.

Ein Kasten mit gemalten Straßen. Ein roter Punkt für „Sie sind hier“. Eine Beschreibung: „Nach der dritten Ampel links, dann am Supermarkt vorbei, nach 200 Metern rechts.“

Das war 2003 eine gute Idee. Heute hat jeder ein Smartphone mit Navigation.

Niemand druckt Karten aus. Niemand zählt Ampeln. Menschen tippen auf eine Adresse, und die Karten-App übernimmt.

Aber dafür muss die Adresse klickbar sein.

die eingebettete google-map: datenschutz-roulette

Andere Webseiten binden Google Maps direkt ein. Das sieht professionell aus. Es hat einen Haken: Datenschutz.

Sobald die Karte lädt, werden Daten an Google übertragen. IP-Adresse, Browser, Standort. Ohne Einwilligung ist das nach DSGVO problematisch.

Also braucht es einen Cookie-Banner. Einen Opt-in. Eine Lösung, die die Karte erst nach Zustimmung lädt.

Das machen die wenigsten. Die Karte ist einfach da. Datenschutz? Wird schon passen.

Und das Absurde: Die eingebettete Karte ist weniger nützlich als ein einfacher Link.

der elegante weg: die klickbare adresse

Was will der Kunde? Zu dir kommen.

Was braucht er dafür? Die Navigation.

Was ist der kürzeste Weg? Er tippt auf die Adresse. Die Karten-App öffnet sich – Apple Maps, Google Maps, was auch immer er nutzt. Er tippt auf „Route“. Fertig.

Dafür braucht es keine eingebettete Karte. Keine selbst gemalte Anfahrtsskizze. Nur eine klickbare Adresse.

So geht das:

<a href="https://maps.app.goo.gl/1RmarW3gu9TJLcCg7">KINDERMANN KG Roonstr. 23, 76137 Karlsruhe</a>

Ein Klick. Die richtige App. Navigation startet.

Auf dem Smartphone öffnet sich die Karten-App automatisch. Auf dem Desktop öffnet sich Google Maps im Browser. In beiden Fällen: Der Nutzer ist da, wo er hinwill.

Kein Cookie-Problem. Keine Datenübertragung beim Seitenaufruf. Keine selbst gemalte Karte, die niemand versteht.

was der google-eintrag kann – wenn man ihn lässt

  • Adresse, Telefon, Website – ein Klick entfernt
  • Öffnungszeiten, auch Sonderöffnungszeiten an Feiertagen
  • Fotos, die du selbst hochlädst und kontrollierst
  • Bewertungen mit Antworten
  • Beiträge wie auf Social Media
  • Leistungen mit Beschreibung und Preis
  • Fragen und Antworten von Nutzern
  • Statistiken: Wer hat gesucht, wer hat geklickt, wer hat angerufen

Das alles kostenlos. Das alles dort, wo Menschen tatsächlich suchen.

die zahlen, noch einmal

QuelleErkenntnis
Google (2022)46 % aller Suchanfragen haben lokale Absicht
BrightLocal (2023)98 % lesen Bewertungen für lokale Unternehmen
BrightLocal (2023)88 % kontaktieren Unternehmen, die auf Bewertungen antworten
Yext (2022)62 % vermeiden Unternehmen mit falschen Infos
ReviewTrackers (2022)Nur 36 % der Unternehmen antworten auf Bewertungen
Whitespark (2023)Unter 17 % nutzen Google Posts regelmäßig

was das alles mit SocialMedia zu tun hat

Nichts. Genau das ist der Punkt.

SocialMedia ist Zeitvertreib.

Der Google-Eintrag ist für Kunden. Für Menschen, die jetzt gerade nach dem suchen, was du anbietest. Die heute vorbeikommen wollen. Die morgen anrufen werden.

Social Media ist eine Bühne. Der Google-Eintrag ist die Eingangstür.

Und die Eingangstür ist nicht abgeschlossen. Sie ist einfach nicht gestrichen, nicht beschildert, und das Licht im Flur ist aus.

was zu tun wäre

  1. Google Business Profil öffnen: business.google.com
  2. Prüfen: Stimmen Adresse, Telefon, Öffnungszeiten?
  3. Fotos hochladen – mindestens drei aktuelle
  4. Bewertungen durchgehen – jede einzelne beantworten
  5. Leistungen eintragen
  6. Einen Beitrag schreiben – wie ein SocialMedia-Post, nur relevanter
  7. Auf der eigenen Website: Adresse verlinken, nicht einbetten

Zeitaufwand: eine Stunde. Vielleicht zwei.

Effekt: Der erste Eindruck für jeden, der dich sucht.

Justin

Er bringt über 30 Jahre Vertriebs- und Marketingpraxis mit – und verliert dabei nie aus dem Blick, was Organisationen am Ende wirklich brauchen: Klarheit, gute Kommunikation und machbares Fundraising. Seit 2005 arbeitet er in seiner Agentur als Kommunikationsgestalter und Berater für Vereine, soziale Einrichtungen und Stiftungen. Ziel: gute Projekte sichtbar machen und Fundraising so aufsetzen, dass es nicht unnötig kompliziert wird. Ehrenamtlich war er bei der Bürgerstiftung Baden-Baden engagiert (Vorstand 2006–2019, Stiftungsrat 2019–2024).

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